Er war berühmt, war um den ganzen Globus gereist mit einem großen bekannten Zirkusunternehmen, dem er seit Jahrzehnten angehörte. Alle mochten ihn sehr, der Zirkus war seine Welt, seine Familie, denn eine eigene hatte er nicht mehr. Seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau lebte er sehr zurückgezogen, wollte sich nie wieder an jemanden binden denn zu weh hatte es getan.
Die
Scheinwerfer in der Manege leuchteten zweimal am Tag für ihn und in diesen
Momenten war er der Clown, der alle kleinen und großen Sorgen vergaß und glücklich
war, anderen Freude zu bereiten.
Er
lebte nach seinen eigenen Ritualien. War die Vorstellung beendet ging er, um nur
ja nie angesprochen zu werden, schnellen Schrittes zu seinem Wohnwagen,
schminkte sich ab, duschte, nahm sein Abendbrot, trank eine Flasche Bier,
rauchte die einzige Zigarre am Tag und wartete darauf, dass alle Lichter
erloschen. Dann erst öffnete er die Tür, atmete die kühle Nachtluft ein und
machte seinen allabendlichen Rundgang vorbei an allen Tieren, mit denen er
sprach und die ihm zuhörten. Ja, er glaubte feste daran, dass sie ihn verstehen
konnten, denn er verstand sie. Selbst die großen Raubkatzen schnurrten wie
kleine Kätzchen, legten sich auf den Rücken um offensichtlich gestreichelt zu
werden, meinte er, und dass der Elefant ab und an seine Mütze stahl, störte
ihn nicht weiter.
Auch
an diesem Abend war es so.
Er
ging zu seinem Wohnwagen zurück, öffnete die Tür, blieb jedoch stehen und
lauschte einem fremden Geräusch nicht weit von ihm. Er zog die Taschenlampe aus
seinem Mantel, leuchtete die Gegend ab, als ihm winselnd ein Bündel Fell
entgegen kroch. Er kniete sich hin, legte seine Hand auf das Bündel, es roch
nach Blut. Auf der Stelle wurde der mitreisende Tierarzt alarmiert, buchstäblich
von ihm aus dem Bett geworfen um das gefundene, verletzte Hündchen zu
behandeln.
Jetzt
kam Leben in den Zirkus, die Lichter gingen an, fast alle waren durch den lärmenden
Clown wach gerüttelt worden und selbst der noch schlaftrunkene Zirkusdirektor
stand im Pyjama mitten im Geschehen. Viele helfende Hände versuchten das Tier
mittels einer Decke vorsichtig in die „hauseigene“ Tierarztpraxis zu befördern.
Der viel zu aufgeregte Clown wurde dort als erster rausgeworfen und begann seine
zweite Zigarre zu rauchen. Immer wieder klopfte er an die Tür um zu fragen, wie
es wohl dem Hündchen ginge. Nach einer geraumen Zeit erschien der Arzt an der Tür
um den draußen wartenden Mitfühlenden Report zu erstatten. Ein Aufatmen ging
durch die Menge als er berichtete, dass es sich lediglich um eine tiefe
Risswunde am Bein gehandelt hatte, der Patient sich allerdings noch in Narkose
befand, es ihm den Umständen entsprechend gut ginge und dass es sich nicht um
ein Hündchen, sondern um einen nicht gerade kleinen, ausgewachsenen kräftigen,
buntgemischten Rüden handelte.
Jeder
bot jetzt Nachtwachendienst an; doch das war Sache des Clowns.
Alle
Knochen taten ihm vom Schlaf auf dem harten Boden weh, als er liebevoll
wachgeleckt wurde. Es tat so gut.
Die
Wochen vergingen, ein Besitzer hatte sich auf die vielen Inserate nicht
gemeldet. Der Clown lebte auf und hatte bei jeder seiner Vorstellungen einen
Zuschauer mehr, Trester, seinen Hund
Trester
saß nur da, wartete brav hinter der Manege und schaute auf sein komisches
Herrchen, das zweimal am Tag so ganz anders aussah. Er beobachtete, ja
registrierte und speicherte jede Bewegung seines Herrn, traute sich jedoch
niemals in die Manege bis zu jenem denkwürdigen Tag.
Die
Musikkapelle hörte auf zu spielen und es wurde dunkel. Ein starker Lichtstrahl
fiel in die Mitte der Manege direkt auf den geigespielenden Clown und einem bei
ihm sitzenden bunten Hund, der ein Jaulkonzert eröffnete. Das Publikum
kreischte vor Lachen, trampelte und klatschte vor Begeisterung in die Hände.
Keiner bemerkte die Verblüffung des Clowns als er sich zu seinem Hund
hinabbeugte und ihn mit großen Augen anstarrte. Jetzt wurde Trester aktiv, denn
er hatte durch Beobachtung gelernt und zog als erstes seinem Herrn die Hosen
runter, klaute ihm den Geigenstock, lief damit kreuz und quer durch die Manege,
ließ den Stock fallen, wartete bis sein Herr sich schnaubend danach bückte,
wobei erneut die Hosen fielen, nahm den Stock wieder auf und das Spiel ging von
vorne los. Dann wartete Trester auf den Moment, wo sich sein Herr abermals nach
dem Geigenstock bückte, rannte um ihn herum, nahm Anlauf, sprang ihm in den Rücken
und warf ihn um. Das Publikum, der Zirkusdirektor und das ganze Team waren
begeistert über diese neue Art der Vorstellung, selbst die Musiker standen auf
und spielten eigens für Trester einen Tusch.
Von
diesem Tag an wurde Trester trainiert, er begriff sehr schnell, war an allem
interessiert, da ihm die Arbeit mit seinem Herrn großen Spaß machte. Die
Vorstellung des Clowns wurde um 5 Minuten erweitert.
Trester
lernte tagtäglich dazu und ist heute sogar auf den Zirkusplakaten mit seinem
Herrn abgebildet.
Trester
genießt es im Mittelpunkt zu stehen, er genießt die vielen Leckereien während
der Vorstellung, er verneigte sich am Ende gemeinsam mit seinem Herrn und schmeißt
ihn danach um, ja er sonnt sich im Beifall des Publikums, er bringt die Menschen
zum Lachen. Er ist ein Clown!

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