Immer
wieder fiel mir auf, wie sorgfältig, liebevoll und ernst unsere Züchter die
Namensgebung ihrer Welpen betreiben, was nicht immer einfach ist. Schließlich
geht es nach alphabetical order, und je nachdem, bei welchem Buchstaben man
angelangt ist, wird’s schön
anstrengend. Ja, es soll sogar Züchter geben, die weit vor dem Deckakt (die Hündin
befindet sich noch nicht einmal in der Läufigkeit) mit der Namenstaufe
beginnen. Das macht Sinn!
Die
Bezeichnung soll individuell zum Welpen passen, bildschön und aus verständlich
rufbaren Silben bestehen. Dirty Harry
oder Irma la Douce sind, wenn der
Hund mal ausbüchst, bezaubernd lang. Außerdem möchte der Züchter den Namen
im Einklang mit dem Zwingerrenommee sehen. Z.B.: Angel
„von der Satansbrut“ oder Dracula
„vom Knoblauchduft“ sind bestechend und passen wie die Faust aufs Auge.
Ungarische
Benennungen werden immer wieder bevorzugt. Hierfür werden Lexika gestöbert, Bücher
gewälzt oder Namen einfach geklaut. Bei ungarischen Zungenbrechern wird
besonders auf Geschmeidigkeit und Bedeutung geachtet.
Nehmen
wir an, Ihre Welpen sind getauft, alles ist dokumentiert und die Kleinen
verlassen das Nest, was passiert? Sie haben Ihren Welpenkäufern gerade erst den
Rücken gekehrt, da geht es schon los. Muster: Aus einem in Niedersachsen gezüchteten,
götterlich benannten Rüden wurde ein bayerischer „Poldi“.
Ein anderer Rüde mit dem prachtvollen Namen eines Musketiers wurde
namentlich kastriert und heißt jetzt „Missi“.
„Dödel“ ist auch schon im Gespräch.
Grandios! Aber es kommt noch faszinierender. Viele lassen den Rufnamen ganz weg,
wohlgemerkt heimlich in ihren vier Wänden, und diese Kostbarkeiten habe ich im
Laufe der Zeit gesammelt.
Interessant
sind die Ableitungen von Nagern, weit verbreitet und äußerst beliebt:
Mausekind, Mauseschwänzchen, Mausezähnchen, Mauseküttel, Mäusken, Mausi.
Wäre
das „SCH“ relevant für das Züchteralphabet, hätten Sie lieber Züchter
halb so viel Mühe: Schatzebubbelchen, Schätzeken, Schnuffi, Schnüffken,
Schnüffelchen, Schnäutzken, Schatzhatzifatz, Schmusepitti, Schmuseköttel und
Schatzemann.
Formvollendet für einen kompletten Zehnerwurf!
Weiter
geht es mit Anregungen für den kleineren „K“- und „F“-Wurf: Knäulchen,
Knüffken, Knöllchen, Knuddel, Flummi, Fuzzi und Flöhchen. „Fusselchen“
wird nur bei „in Abhaarung“ befindlichen Tieren benutzt.
Der
Gipfel: Butzebuddelbettelbellebeißebär.
Treffend! Der Erfinder dieser herzigen Liebkosung möchte aus erklärlichen Gründen
nicht genannt werden.
Darüber
hinaus gibt es auch die stinknormalen Namen, fast jeder, auch hauseigene Züchter
benutzen sie, wie: Dicker, Wuschel, Kuschel, Krümel, Räuber, Rackezahn, Bärchen,
Burschi oder Fuzzi. Der Hund reagiert und läuft „nach Papa“!
Es
gibt auch aggressive Namen, wenn der Hund intelligenzmäßig überschätzt
wurde, so sind: Ochse, Doofkopp, Dumpfbacke oder Blödi beispielhaft und absolut
angebracht.
Ist
der Hund ungehorsam oder geht nachlässig mit Ihrem antiken Mobiliar um, wird
aus dem liebevoll benannten Schnuffi in Sekundenschnelle ein Drecksack, ne alte
Ratte oder Misttöle. Das ist in Ordnung. Selbstverständlich würde hier
Dummerle oder Schusselchen auch genügen.
Handelt
der Hund ordnungswidrig und läßt Kohlendioxyde ab, wird aus dem Liebling
kein Schweinepriester und keine Sau, sondern schlicht: Ein Stinkerle.
Witzig ist zudem die
Beobachtung der Namensgebung bei der täglichen Hundefressorgie. Sabbersocke,
Sabberliese, Ferkel, Gierlappen, Küchenschabe und Fresssack sind uneingeschränkt
üblich. Ich persönlich kenne einen Hundeliebhaber, der sich in dieser
Situation angepasster verhält. Da werden nicht die Pötte lieblos hingeknallt,
es wird professionell serviert mit der Darbietung: „Meine Süßen, es ist
angerichtet“, und die Schatzebubbelchen kriegen ihr Fresschen mit einem
„Guten Appetit“ und nach dem Bäuerchen ein Schmatzer aufs Mäulchen. So und
nicht anders sollte es sein!
Spannend
wird's auch bei Deckakten. Die hochläufige Hündin biedert sich zündstoffgeladen
dem auserwählten Rüden an. Dieser reagiert, ähnlich wie beim Fresschen,
sabbernd, mit heiß geschwollenem Blick, also unter aller Kanone. Nun muss ich
Sie enttäuschen, diese edlen Betitelungen aus dem
Rotlichtmilieu kamen hier nicht durch meine Zensur. Schade eigentlich!
Zum
Schluss möchte ich noch einmal nachdrücklich daraufhinweisen, dass nicht eine
der hier genannten Bezeichnungen meiner Phantasie entsprungen ist, ich jemals
derartige benutzt habe oder benutzen werde, und das ist nicht gelogen –
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