Eine Woche Angst

Brigitte Pick
Februar 2003

Liebe Leser,

hier folgt ein Bericht über eine schlimme Erkrankung des Magen-Darm-Traktes meiner beiden Hunde, wie ich sie in dieser Form niemals zuvor erlebt habe. Die Ursache lässt sich nur vermuten,  jedoch nicht konkret feststellen.

Die Tierärztin scheckt ab, diagnostiziert eine Magen-Darm-Entzündung, verabreicht zwei Injektionen, einen schleimhautaufbauenden Brei oral und fragt nach, ob der Stuhl ebenfalls blutig sei. Ich verneine.

Eine Stunde später zu Hause: Die Hündin setzt erstmals blutigen Schleim ab. Wenig später spritzen große Mengen Blut aus ihrem Darm. Innerhalb einer kurzen Zeit befinden sich mehrere Blutlachen im Schnee.

Meine Angst nimmt zu. Ich arbeite in einer Klinik, Abteilung Proktologie (Lehre v. Mastdarm) und kenne die Symptome bösartiger Darmtumoren. Dass die meisten unserer Patienten mit gleichen Krankheitszeichen zum Glück nicht dem Tod geweiht sind, wurde verdrängt. Hämorrhoiden, Polypen, Fissuren, Fisteln, Proktitis etc., nein!

Die Tierärztin schließt per Ultraschall meine Diagnose aus. Trotzdem, ich bin unsicher.

Eine Verstopfung über einen längeren Zeitraum muss ernst genommen werden und man sollte den Arzt aufsuchen. Natürlich leiden viele Menschen darunter und meistens sind die Ursachen harmloser Natur (falsche Ernährung), aber im Falle meiner Hündin dachte ich an Darmverschluss, Darmlähmung und wieder an einen Tumor. Die Ärztin wird ebenfalls unsicher, rät jedoch erst mal zu einem Klistier (Darmeinlauf 10 ml). Sollte sich keine Wirkung zeigen, dann ...

Eine Packung mit vier Klistieren wird besorgt und eins davon eingeführt. 5 Minuten Einwirkzeit und innerhalb der nächsten 15 Minuten wird  normalerweise abgeführt.

Es passiert nichts. Ich bekomme eine Heidenangst und rufe in der Praxis an: „Hast du auch wirklich 10 ml gegeben?“, fragt sie mich“.  Oh Gott, in meiner Kopflosigkeit hatte ich nur ein Klistier gesetzt (Dosierung für Säuglinge), zwei ergeben 10 ml. Ich setzte sofort noch eins hinterher und nach Ablauf von 10 Minuten zeigt sich Erfolg und neuer Schrecken. Der Stuhl ist zu einem Drittel hart und der Rest sehr weich mit wenigen wässerigen Blutauflagerungen. Der Weg zur eindeutigen Besserung - wie die Ärztin meint.

Ursachen:
Wir sahen uns den Garten an, blätterten in einem Pflanzenbuch und fanden nichts besonderes. Der Gedanke kam auf, dass jemand etwas über den Zaun geschmissen haben könnte. Nach wie vor hoffe ich, dass es nicht so war. Gefunden wurde jedenfalls nichts.

Klar, meine Hündin ist eine Schneefresserin, und da der Schnee relativ lange gelegen hatte, und wir zudem in der Einflugschneise des Flughafens Münster/Osnabrück wohnen, glaubten wir, dass im Schnee enthaltene Kerosin sei schuld. Die Ärztin dachte ebenso.

Diese Theorie wurde in dem Moment ad acta gelegt, als unser Rüde die Krankheitszeichen aufwies. Er ist kein Schneefresser. Also muss eine Ansteckung erfolgt sein (Virus?).

Leberentzündung, starke Vergiftung, Pavo, etc. waren mittlerweile ausgeschlossen worden. Selbst wenn der Rüde sich bei der Hündin angesteckt haben sollte, blieb immer noch die Frage offen: Was war bei der Hündin die Ursache?

Dann erinnerte ich mich an folgendes:
Wir hatten einen Sack Trockenfutter, wie schon so oft, eines bekannten amerikanischen Futterherstellers gekauft. Als ich diesen Sack öffnete, kam mir ein fauliger, süßlicher Geruch entgegen. Ich brachte den Sack zurück, der Händler roch daran und konnte anfangs nichts Außergewöhnliches feststellen. Er holte eine Probepackung und siehe da, diese roch normal wie sonst auch. “Ok.“, meinte er, „jetzt kann ich den Unterschied feststellen, wahrscheinlich ist irgend etwas neues dem Futter beigemischt worden, meine Hunde fressen es und es geht ihnen gut.“ Ich bestand auf Umtausch. Der neue Futtersack roch ebenfalls streng, jedoch nicht ganz so süßlich. Ich las mir die Zusammensetzung des Futters genau durch, konnte zwar keine „Neuerung“ feststellen, machte mir aber keine weiteren Gedanken.

Meine Hunde bekommen zu einem Drittel Trockenfutter, der Rest besteht aus Fleisch und Futterzusätzen wie Gemüse, getrocknetem Reis, Obst etc.. Zu bemerken ist, dass in einem Zeitraum von etwa drei Wochen ¼  dieses ominösen Futters an meine Hunde gegeben wurde.
Bei einem der Tierarzttermine zeigte ich der Ärztin eine Probe. Sie stellte fest, dass dieses Futter „um“ ist.

Fazit:

Fragen, die nicht beantwortet werden können!

 

Meine „Kacker“