Eine Woche Angst
Brigitte Pick
Februar 2003
Liebe Leser,
hier
folgt ein Bericht über eine schlimme Erkrankung des Magen-Darm-Traktes meiner
beiden Hunde, wie ich sie in dieser Form niemals zuvor erlebt habe. Die Ursache
lässt sich nur vermuten, jedoch nicht konkret feststellen.
Montag
Die Hündin hat wenig Appetit.
Dienstag
Der Stuhl ist gelb, weich und von einer dicken Schleimhaut umhüllt. (Prophylaktische
Gabe von Reis + Frühkarotten)
Mittwoch
Der Stuhl wird zunehmend breiig mit Schleimbeimengungen, die Hündin setzt
in der Nacht viermal ab.
In
der selben Nacht und am Donnerstag Morgen
Mehrmaliges Erbrechen mit Blutbeimengungen. Apathie, kalte Gelenke und
Pfoten. Kein Fieber. U.a. Symptome wie bei Vergiftungen. Sie bekommt kein
Futter!
Die Tierärztin scheckt ab, diagnostiziert eine Magen-Darm-Entzündung, verabreicht zwei Injektionen, einen schleimhautaufbauenden Brei oral und fragt nach, ob der Stuhl ebenfalls blutig sei. Ich verneine.
Eine Stunde später zu Hause: Die Hündin setzt erstmals blutigen Schleim ab. Wenig später spritzen große Mengen Blut aus ihrem Darm. Innerhalb einer kurzen Zeit befinden sich mehrere Blutlachen im Schnee.
Meine Angst nimmt zu. Ich arbeite in einer Klinik, Abteilung Proktologie (Lehre v. Mastdarm) und kenne die Symptome bösartiger Darmtumoren. Dass die meisten unserer Patienten mit gleichen Krankheitszeichen zum Glück nicht dem Tod geweiht sind, wurde verdrängt. Hämorrhoiden, Polypen, Fissuren, Fisteln, Proktitis etc., nein!
Die
Tierärztin schließt per Ultraschall meine Diagnose aus. Trotzdem, ich bin
unsicher.
Eine
Verstopfung über einen längeren Zeitraum muss ernst genommen werden und man
sollte den Arzt aufsuchen. Natürlich leiden viele Menschen darunter und
meistens sind die Ursachen harmloser Natur (falsche Ernährung), aber im Falle
meiner Hündin dachte ich an Darmverschluss, Darmlähmung und wieder an einen
Tumor. Die Ärztin wird ebenfalls unsicher, rät jedoch erst mal zu einem
Klistier (Darmeinlauf 10 ml). Sollte sich keine Wirkung zeigen, dann ...
Eine
Packung mit vier Klistieren wird besorgt und eins davon eingeführt. 5 Minuten
Einwirkzeit und innerhalb der nächsten 15 Minuten wird
normalerweise abgeführt.
Es
passiert nichts. Ich bekomme eine Heidenangst und rufe in der Praxis an: „Hast
du auch wirklich 10 ml gegeben?“, fragt sie mich“. Oh Gott, in meiner Kopflosigkeit hatte ich nur ein Klistier
gesetzt (Dosierung für Säuglinge), zwei ergeben 10 ml. Ich setzte sofort noch
eins hinterher und nach Ablauf von 10 Minuten zeigt sich Erfolg und neuer
Schrecken. Der Stuhl ist zu einem Drittel hart und der Rest sehr weich mit
wenigen wässerigen Blutauflagerungen. Der Weg zur eindeutigen Besserung - wie
die Ärztin meint.
Dienstag
Die Hündin hat normalen Stuhlgang.
Sie bekommt zur Diät normales Futter beigemischt.
Dienstag Abend
Mein Rüde zeigt plötzlich die selben Symptome. Der Stuhl ist weich und von
einer dicken Schleimhaut umhüllt. 24-Stunden-Überwachung!
Mittwoch
Morgen
Der Rüde setzt erst breiigen, dann wässerigen, hellgelben Stuhl ab. Sofort
zur Tierärztin, die die gleichen Medikamente spritzt wie bei der Hündin.
Keine Fütterung! Er trinkt schwarzen Tee. 24-Stunden-Überwachung!
Ich kann nicht mehr klar denken!
Donnerstag
Die Hündin ist o.k., bekommt weiterhin normales Futter zur Diät. Der Rüde
erhält Diät, trinkt schwarzen Tee. Kein Stuhlgang.
24-Stunden-Überwachung!
Freitag
Die Hündin frisst normales Futter und hat normale Verdauung.
Der Rüde ist auf Diät. Ich gehe mit ihm spazieren und innerhalb von
Minuten setzt er ein wenig harten, braunen Kot ab, später weichen, nicht
breiig, nicht blutig aber noch gelblich.
Ich rufe in der Praxis an und die Ärztin macht Hoffnung, dass eine Darmentzündung
bei dem Rüden rechtzeitig abgefangen wurde.
Freitag
Abend
Der Weg zum Tierarzt mit beiden Hunden.
Die Hündin wird untersucht, alles bestens, der Rüde erhält zwei Injektionen,
das Schleimhautpräparat soll aufgebraucht werden.
Er bekommt noch einen Tag Diätfutter, dann wird das Futter langsam auf
normal umgestellt.
Ursachen:
Wir sahen uns den Garten an, blätterten in einem Pflanzenbuch und fanden nichts
besonderes. Der Gedanke kam auf, dass jemand etwas über den Zaun geschmissen
haben könnte. Nach wie vor hoffe ich, dass es nicht so war. Gefunden wurde
jedenfalls nichts.
Klar,
meine Hündin ist eine Schneefresserin, und da der Schnee relativ lange gelegen
hatte, und wir zudem in der Einflugschneise des Flughafens Münster/Osnabrück
wohnen, glaubten wir, dass im Schnee enthaltene Kerosin sei schuld. Die Ärztin
dachte ebenso.
Diese
Theorie wurde in dem Moment ad acta gelegt, als unser Rüde die Krankheitszeichen
aufwies. Er ist kein Schneefresser. Also muss eine Ansteckung erfolgt sein
(Virus?).
Leberentzündung,
starke Vergiftung, Pavo, etc. waren mittlerweile ausgeschlossen worden. Selbst
wenn der Rüde sich bei der Hündin angesteckt haben sollte, blieb immer noch
die Frage offen: Was war bei der Hündin die Ursache?
Dann
erinnerte ich mich an folgendes:
Wir hatten einen Sack Trockenfutter, wie schon so oft, eines bekannten
amerikanischen Futterherstellers gekauft. Als ich diesen Sack öffnete, kam mir
ein fauliger, süßlicher Geruch entgegen. Ich brachte den Sack zurück, der Händler
roch daran und konnte anfangs nichts Außergewöhnliches feststellen. Er holte
eine Probepackung und siehe da, diese roch normal wie sonst auch. “Ok.“,
meinte er, „jetzt kann ich den Unterschied feststellen, wahrscheinlich ist
irgend etwas neues dem Futter beigemischt worden, meine Hunde fressen es und es
geht ihnen gut.“ Ich bestand auf Umtausch. Der neue Futtersack roch ebenfalls
streng, jedoch nicht ganz so süßlich. Ich las mir die Zusammensetzung des
Futters genau durch, konnte zwar keine „Neuerung“ feststellen, machte mir
aber keine weiteren Gedanken.
Meine
Hunde bekommen zu einem Drittel Trockenfutter, der Rest besteht aus Fleisch und
Futterzusätzen wie Gemüse, getrocknetem Reis, Obst etc.. Zu bemerken ist, dass
in einem Zeitraum von etwa drei Wochen ¼ dieses
ominösen Futters an meine Hunde gegeben wurde.
Bei einem der Tierarzttermine zeigte ich der Ärztin eine Probe. Sie stellte
fest, dass dieses Futter „um“ ist.
Fazit:
Lag
die Ursache der Erkrankung wirklich am Trockenfutter?
Ich
gebe es seit langer Zeit, immer war alles in Ordnung.
War
vielleicht eine Palette dieses Futters nicht ok. oder nur die beiden Säcke?
Bislang
konnten keine ähnlichen Krankheitsbilder anderer Hunde ausfindig gemachte
werden.
Kann
man ausschließen, dass irgendjemand etwas auf das Grundstück geworfen hat?
Wenn ja, wieso zeigt der Rüde erst eine Woche später die Anzeichen?
War
es wirklich eine Magen-Darm-Entzündung, die in der „Luft“ lag?
Lag
es am Fleisch oder an den Futterzusätzen (Gemüse, Obst, Reis etc.)?
Wenn
der Rüde nicht sofort behandelt worden wäre, hätte auch er blutig
erbrochen und Blut abgesetzt? Oder war es bei ihm zufällig ein „schon mal
vorkommender“ Durchfall, der normaler Weise nicht sofort ärztlich
behandelt werden muss?
Hatte
meine Maus etwas Ernsthaftes, woran niemand gedacht hat?
Fragen,
die nicht beantwortet werden können!

Meine „Kacker“